Amtssachverständiger Land NÖ: „Auf Basis von eigenen Erfahrungen im Zuge von diversen Verfahren und Bauvorhaben in Bad Vöslau […] bestehen aus fachlicher Sicht bedenken, dass irreversible Auswirkungen auf Grundwasserverhältnisse bestehen bleiben könnten.“
Im Zuge des geplanten Bauprojekts der Fa. Grasl am Grundstück „Kleine Hageln“ in der Oberkirchengasse/Sellnergasse/Hauptstraße in Gainfarn ist auch die Errichtung einer Erdwärmepumpe vorgesehen. Dafür stehen nun probeweise Tiefenbohrungen von 150 Metern Tiefe an.
Die Erschließung alternativer Energiequellen ist ohne Frage ein wichtiges Anliegen unserer Zeit. Dabei muss aber genau aufgepasst werden, was wo möglich, sinnvoll und risikofrei durchführbar ist. Denn solche Tiefenbohrungen beherbergen mitunter ein großes Risiko für die Umwelt. In der Kurregion muss besonders aufgepasst werden, da in der unmittelbaren Umgebung die Vöslauer Thermalquellen verlaufen und sich bedeutende unterirdische Höhlen befinden. Auch ergiebige Wasservorkommen werden in der Gegend vermutet.
Geothermie und Thermalquellen
Bad Vöslau liegt am Rande des Wiener Beckens an einer Zone austretender Thermalquellen. Durch das Absinken des ehemaligen Meeresbodens kam es zur Ablagerung verschiedenster Gesteinsschichten mit Brüchen, Klüften und Fließwegen. In der über viele tausend Jahre andauernden Reise folgt das Wasser diesen Schichten und kam in sehr große Tiefe unter das Wiener Becken. Dabei wurde es durch die Erdwärme erhitzt und konnte sich durch Lösungsvorgänge im Gestein mit verschiedensten Mineralstoffen anreichern. Wegen der Erdwärmung wird das Wasser spezifisch leichter und die dadurch entstandenen Druckunterschiede setzen wie bei einer Zentralheizung einen Kreislauf in Gang[1].
Genau diese Erdwärme soll in Zunft durch Tiefenbohrungen für die Beheizung der geplanten 6 Wohnblöcke sorgen.
Unter anderem weil das nicht ungefährlich ist, wurde im Jahr 2022 eine Verordnung (Schongebietsverordnung) zum Schutz der Heilquellen in Baden und Bad Vöslau erlassen. Diese sieht eine wasserrechtliche Bewilligung für verschiedene Maßnahmen vor, so z.B. für Tiefenbohrungen.
Mögliche irreversible Auswirkungen auf das Vöslauer Wasser
Ein Hydrologe, der im Zuge der wasserrechtlichen Bewilligung mit der Beurteilung der Sachlage betraut war, hält „aufgrund der Entfernung zu den beschriebenen Thermalquellen (ca. 300 m), der Lage des Standortes im Bereich der Vöslauer Konglomerate sowie in unmittelbarer Nähe des Gainfarner Bruchs, [..] das Antreffen von teilweise ergiebigen Grundwasserführungen“ für wahrscheinlich.
Auszug aus dem hydrologischen Gutachten:

Abbildung 1 Hydrologisches Gutachten
Auch das Antreffen von Thermalwasser und größeren Hohlräumen im Zuge der Bohrungen kann nicht ausgeschlossen werden, was zu erheblichen Problemen führen kann. Insbesondere, wenn durch das Anbohren bestehende Spannungen im Boden gelöst werden:


Abbildung 2 Hydrologisches Gutachten
Im Zuge des wasserrechtlichen Bewilligungsverfahrens äußerte der Amtssachverständige für Hydrologie der Niederösterreichischen Landesregierung Bedenken bezüglich der geplanten Probebohrungen und sah ein erheblichen Restrisiko, auch bei sachgemäßer Durchführung der Bohrung. Dazu heißt es in dem Gutachten:
„Auf Basis von eigenen Erfahrungen im Zuge von diversen Verfahren und Bauvorhaben in Bad Vöslau […] bestehen aus fachlicher Sicht Bedenken, dass irreversible Auswirkungen auf Grundwasserverhältnisse bestehen bleiben könnten.“
Weiters:

Abbildung 3 Stellungnahme des Amtssachverständigen für Hydrologie Land NÖ
Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass nicht nur beim Bau des Tremlhofs zahlreiche Wasseradern angebohrt wurden, sondern auch seit dem Bau des Kurzentrums aufgrund einer unbeabsichtigten Anbohrung täglich unzählige Kubik Liter Thermalwasser in den Kanal abgeleitet werden.
Es stellt sich die Frage, ob angesichts dieser bekannten Probleme und der Bedenken des Sachverständigen mit der wertvollen Ressource Wasser sorgsam genug umgegangen wird. Überwiegt hier tatsächlich das Interesse an der gewünschten Heizmethode für die Wohnblöcke?
Gainfarner Brunnenhöhle
Die Gainfarner Brunnenhöhle liegt in 20 Metern Tiefe und hat eine Länge von ca. 131 Metern und verläuft unterirdisch entlang der östlichen Grundstücksgrenze.

Abbildung 4 Gainfarner Brunnenhöhle [2]
Neben der bereits erforschten Brunnenhöhle ist auch noch eine weitere Höhle beim „Brunnen Netzel“ bekannt, welche ebenfalls unweit des Grundstücks „Kleine Hageln“ befindet. Bei vergangenen Straßenbauten etc. wurden immer wieder unterirdische Höhlen angebohrt und es ist nicht unwahrscheinlich, dass sich auch unterhalb des Projektareals weitere Höhlen befinden.

Abbildung 5 Projektareal und unterirdische Höhlen[3]
Wasserrechtliches Verfahren
Bei der Bewilligung der Probebohrung wurden die Bedenken des Amtssachverständigen in den Hintergrund gestellt. Es wird darauf vertraut, dass die „dauerhafte Beeinflussung der Grundwasserverhältnisse“ aufgrund „sorgfältiger Durchführung“ vermieden werden kann:

Nicht beachtet wurde auch die einzuhaltende Frist für die Anzeige einer Bohrung. Gemäß § 4 (2) Schongebietsverordnung sind diese Bohrungen nämlich drei Monate vor Beginn der Durchführung bei der Behörde anzuzeigen. Nach Auskunft der Wasserrechtsbehörde wurde die jetzt geplante Probebohrung aber erst im Dezember, also knapp einen Monat vor Beginn der Bohrung, angezeigt. Man hat es offenbar eilig.
Darüber hinaus wurde auch ein Bescheid an die Anrainer des Projektareals erst einen Tag nach Beginn der Arbeiten für die Probebohrung zugestellt, da dieser erst wenige Tage vor Beginn der Bohrung an die Post übergeben wurde. Die Anrainer hatten dadurch keine Gelegenheit, im Vorhinein auf die behördliche Bewilligung zu reagieren bzw. ein Rechtsmittel zu ergreifen. Zeit gewesen wäre genug: Der betreffende Akt lag im Vorfeld über mehrere Monate bei der Behörde auf, dennoch erfolgte keine zeitgerechte Rückmeldung an die Antragsteller.
Übrigens: das Bauprojekt wurde vom Bauwerber bereits eingereicht.
[1] Siehe Geolehrpfad Bad Vöslau Station 3
[2] Brunnenhöhle G’schichten Plätze & Namen, Anlage 5: Mais_Pavuza_Traindl, Brunnenhöhle
[3] Hydrologisches Gutachten




[1] Siehe Geolehrpfad Bad Vöslau Station 3
[2] Brunnenhöhle G’schichten Plätze & Namen, Anlage 5: Mais_Pavuza_Traindl, Brunnenhöhle
[3] Hydrologisches Gutachten


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